Die schwierigste Frage bei einer Schnittstelle betrifft selten die Technik. Sie lautet, welches System die Wahrheit über ein Datenfeld besitzt. Was eine Schnittstelle ist, steht im Glossar unter Schnittstelle (API). Hier geht es um die Planung, also um die gängigen Arten, um die vier Punkte, die im Lastenheft meist fehlen, und um die Frage, wie Sie den Wildwuchs vermeiden.
Arten von Schnittstellen im Überblick
Web-API. Systeme rufen sich direkt auf, meist über REST. Der Standardfall bei moderner Software, gut dokumentiert und gut überwachbar.
Dateiaustausch. Eine Datei wird abgelegt und vom Zielsystem eingelesen. Unglamourös, aber robust und bei Altsystemen oft der einzige Weg.
Datenbankkopplung. Ein System liest direkt in der Datenbank eines anderen. Schnell gebaut und die häufigste Ursache für Probleme nach einem Update.
Middleware. Eine Zwischenschicht verteilt Daten zentral, statt jedes System mit jedem zu verbinden.
Industrielle Protokolle. OPC UA und MQTT für Maschinendaten, also die Brücke von der Anlage in die IT.
Das führende System je Datenfeld festlegen
Bevor eine Zeile Code entsteht, muss je Datenfeld geklärt sein, wer es besitzt. Für jedes Datenfeld gibt es genau ein führendes System. Wird eine Kundenadresse in CRM und ERP gepflegt, entsteht daraus ein Konflikt, spätestens beim ersten Umzug eines Kunden. „Beide synchron halten“ ist dafür keine Antwort. Es braucht eine Festlegung, welches System führt und welches den Wert nur anzeigt.
Diese Festlegung gehört in eine Tabelle mit drei Spalten für Feld, führendes System und Richtung. Sie ist in einer Stunde erstellt und verhindert monatelange Diskussionen. Wichtig ist, dass sie fachlich entschieden wird. Wer ein Feld führt, ergibt sich daraus, wo es entsteht und wer es pflegt, und nicht daraus, welches System die bessere Schnittstelle hat.
Vier Punkte, die im Lastenheft meist fehlen
Fehlerbehandlung. Antwortet das Zielsystem nicht, gehen ohne Wiederholung und Warteschlange Daten verloren, und niemand merkt es.
Doppelte Übertragung. Wird ein Datensatz zweimal geschickt, darf er nicht zweimal gebucht werden. Das setzt eine eindeutige Kennung je Vorgang voraus.
Überwachung. Eine Schnittstelle, deren Ausfall erst der Buchhaltung auffällt, ist nicht überwacht. Es braucht eine Meldung an eine zuständige Person.
Versionierung. Ändert der Anbieter seine Schnittstelle, muss klar sein, wie lange die alte Fassung noch läuft.
Warum Integrationsprojekte im Mittelstand ausufern
Der häufigste Grund ist der Punkt-zu-Punkt-Wildwuchs. Jede einzelne Verbindung ist schnell gebaut, aber die Zahl der möglichen Verbindungen wächst quadratisch, nach der Formel Verbindungen = n × (n − 1) ÷ 2. Bei fünf Systemen sind das bis zu zehn Verbindungen, bei zehn Systemen bereits 45. Jede davon hat eine eigene Fehlerbehandlung, eigene Zugangsdaten und einen eigenen Erbauer. Ab etwa fünf gekoppelten Systemen ist eine Zwischenschicht günstiger als die nächste Direktverbindung.
Das zweite Muster zeigt sich, wenn die Schnittstelle gebaut wird, bevor der Prozess geklärt ist. Dann automatisiert sie eine Abstimmung, die es so gar nicht geben sollte. Mehr dazu steht im Beitrag Prozesse automatisieren. In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH sind Schnittstellen der Kern der Stufe 2, des vernetzten Betriebs, in dem Systeme verbunden sind und Abläufe ohne manuelle Übergaben laufen. Darunter liegt die digitale Grundlage, und die ist Bedingung. Eine Schnittstelle überträgt die Datenqualität mit, die sie vorfindet. Uneinheitliche Stammdaten werden durch eine Kopplung nicht besser, sie verbreiten sich nur schneller. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?
So planen Sie die erste Schnittstelle
Listen Sie zuerst die Felder auf, die wirklich fließen sollen. Meist sind es weniger, als im ersten Gespräch genannt werden. Legen Sie anschließend je Feld genau ein führendes System fest. Diese Tabelle ist das eigentliche Lastenheft. Beschreiben Sie zuletzt den Fehlerfall, also was bei einem Ausfall passiert, wer benachrichtigt wird und wie der Wiederanlauf läuft.
Bis hierhin kommen Sie allein. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse mit einer Bewertung, welche Systeme gekoppelt werden sollten, wo Daten doppelt geführt werden und welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt. Mehr zum Verfahren steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.
Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn ein nächtlicher Dateiaustausch für Ihren Fall völlig ausreicht.
Redaktion Dögel GmbH