Direkt zum Inhalt
Dögel GmbH

Grundlagen

Schnittstellen planen: Woran Integrationsprojekte scheitern

4 Min LesezeitRedaktion Dögel GmbHReihe: Das ABC der Digitalisierung

Die schwierigste Frage bei einer Schnittstelle ist nicht die Technik, sondern welches System die Wahrheit besitzt. Was eine Schnittstelle ist, steht im Glossar unter Schnittstelle (API). Hier geht es um die Planung: welche Arten es gibt, welche vier Punkte im Lastenheft fehlen und wie Sie den Wildwuchs vermeiden.

Arten von Schnittstellen im Überblick

  • Web-API. Systeme rufen sich direkt auf, meist über REST. Der Standardfall bei moderner Software, gut dokumentiert, gut überwachbar.

  • Dateiaustausch. Eine Datei wird abgelegt und vom Zielsystem eingelesen. Unglamourös, aber robust, und bei Altsystemen oft der einzige Weg.

  • Datenbankkopplung. Ein System liest direkt in der Datenbank eines anderen. Schnell gebaut und die häufigste Ursache für Probleme nach einem Update.

  • Middleware. Eine Zwischenschicht verteilt Daten zentral, statt jedes System mit jedem zu verbinden.

  • Industrielle Protokolle. OPC UA und MQTT für Maschinendaten, die Brücke von der Anlage in die IT.

Die wichtigste Festlegung: das führende System

Bevor eine Zeile Code entsteht, muss je Datenfeld geklärt sein, wer es besitzt.

Für jedes Datenfeld genau ein führendes System.

Wird eine Kundenadresse in CRM und ERP gepflegt, entsteht keine Redundanz, sondern ein Konflikt, und zwar spätestens beim ersten Umzug eines Kunden. Die Antwort ist nicht „beide synchron halten“, sondern eine Festlegung: Das eine System führt, das andere zeigt an.

Diese Festlegung gehört in eine Tabelle mit drei Spalten: Feld, führendes System, Richtung. Sie ist in einer Stunde erstellt und verhindert monatelange Diskussionen. Wichtig ist, dass sie fachlich entschieden wird und nicht technisch: Wer ein Feld führt, ergibt sich daraus, wo es entsteht und wer es pflegt, nicht daraus, welches System die bessere Schnittstelle hat.

Die vier Punkte, die im Lastenheft fehlen

Fehlerbehandlung. Was passiert, wenn das Zielsystem nicht antwortet? Ohne Wiederholung und Warteschlange gehen Daten verloren, und niemand merkt es.

Doppelte Übertragung. Wird ein Datensatz zweimal geschickt, darf er nicht zweimal gebucht werden. Das setzt eine eindeutige Kennung je Vorgang voraus.

Überwachung. Eine Schnittstelle, deren Ausfall erst der Buchhaltung auffällt, ist nicht überwacht. Es braucht eine Meldung an eine zuständige Person.

Versionierung. Ändert der Anbieter seine Schnittstelle, muss klar sein, wie lange die alte Fassung noch läuft.

Warum Integrationsprojekte im Mittelstand ausufern

Am Punkt-zu-Punkt-Wildwuchs. Jede einzelne Verbindung ist schnell gebaut, aber die Zahl der möglichen Verbindungen wächst quadratisch:

Verbindungen = n × (n − 1) ÷ 2

Bei fünf Systemen sind das bis zu zehn Verbindungen, bei zehn Systemen bereits 45. Jede davon hat eine eigene Fehlerbehandlung, eigene Zugangsdaten und einen eigenen Erbauer. Ab etwa fünf gekoppelten Systemen ist eine Zwischenschicht günstiger als die nächste Direktverbindung.

Das zweite Muster: Die Schnittstelle wird gebaut, bevor der Prozess geklärt ist. Dann automatisiert sie eine Abstimmung, die es so gar nicht geben sollte, siehe Prozesse automatisieren.

Schnittstellen in der Digitalisierungsstrategie: Stufe 2 im DOpE-Modell

In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH sind Schnittstellen der Kern der Stufe 2, des vernetzten Betriebs. Darunter liegt die digitale Grundlage.

Und die ist Bedingung: Eine Schnittstelle überträgt die Datenqualität mit, die sie vorfindet. Uneinheitliche Stammdaten werden durch eine Kopplung nicht besser, sondern schneller verbreitet. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?

Schnittstellen planen: die ersten drei Schritte

1. Felder auflisten. Welche Daten sollen wirklich fließen? Meist sind es weniger, als im ersten Gespräch genannt werden.

2. Führendes System festlegen. Je Feld genau eines. Diese Tabelle ist das eigentliche Lastenheft.

3. Fehlerfall beschreiben. Was passiert bei Ausfall, wer wird benachrichtigt, wie läuft der Wiederanlauf?

Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse: eine Bewertung, welche Systeme gekoppelt werden sollten, wo Daten doppelt geführt werden und welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.

Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn ein nächtlicher Dateiaustausch für Ihren Fall völlig ausreicht.

Redaktion Dögel GmbH

Keine Antwort verpassen

Die Fragen entstehenin unseren Webinaren.

Dort werden sie zuerst gestellt und beantwortet. Was aus Zeitgründen offen bleibt, wird hier zu einem Beitrag.

Zu den Terminen

Newsletter

Muss das noch ein Mensch machen?

Der Newsletter von Mathias Dögel zu KI und humanoider Robotik. Echte Projekte aus dem Mittelstand, echte Zahlen, auch die aus den Fällen, die nicht funktioniert haben.

Mit der Anmeldung willigen Sie ein, den Newsletter der Dögel GmbH mit Informationen zu Robotik, KI und Digitalisierung per E-Mail zu erhalten. Die Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, etwa über den Abmeldelink in jeder E-Mail. Weitere Informationen in der Datenschutzerklärung.

Cookies und Fremdinhalte

Diese Website setzt keine eigenen Cookies. Videos, Anmeldeformulare und Standortkarte sind bei Vimeo, YouTube, HubSpot und Google Maps eingebettet. Beim Laden erhalten diese Ihre IP-Adresse und können Daten auf Ihrem Gerät speichern.

Für die Reichweitenmessung nutzen wir außerdem den Google Tag Manager. Über ihn können weitere Dienste geladen werden, die Cookies setzen und Ihr Verhalten auf der Seite auswerten. Auf unserer IFA-Kampagnenseite kommt der Meta-Pixel hinzu, mit dem wir die Wirkung unserer Anzeigen auf Facebook und Instagram messen.

Sie entscheiden einzeln, und Ihre Entscheidung gilt sechs Monate.