Eine OEE ohne offengelegte Zeitbasis ist keine Kennzahl, sondern eine Meinung. Was die Gesamtanlageneffektivität ist, steht im Glossar unter OEE. Hier geht es um die Berechnung: welche drei Faktoren eingehen, wo sich die Zahl schönrechnen lässt und was sie Ihnen tatsächlich sagt.
Die OEE-Formel und ihre drei Faktoren
OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität
Verfügbarkeit. Wie viel der geplanten Produktionszeit war die Anlage tatsächlich in Betrieb? Abgezogen werden ungeplante Stillstände: Störungen, Ausfälle, Wartezeiten.
Leistung. Wie schnell lief sie im Verhältnis zur Sollgeschwindigkeit? Hier landen Taktverluste, Kleinststillstände und Leerläufe.
Qualität. Wie viele Teile waren beim ersten Durchlauf gut? Gerechnet wird: produzierte Teile minus Nacharbeit minus Ausschuss, geteilt durch produzierte Teile.
Weil die Faktoren multipliziert werden, wirkt jeder voll durch. Drei Werte von je 90 Prozent ergeben nicht 90, sondern rund 73 Prozent.
Die sechs großen Verlustarten
Jeder Faktor hat zwei typische Verlustquellen. Das ist der eigentliche Nutzen der Kennzahl, denn sie sagt Ihnen nicht nur, dass Leistung fehlt, sondern wo:
Verfügbarkeit: Ausfälle und Störungen; Rüsten und Einstellen.
Leistung: Kleinstlillstände; Geschwindigkeitsverluste.
Qualität: Ausschuss beim Anfahren; Ausschuss in der laufenden Produktion.
Eine Anlage mit 60 Prozent OEE ist kein Befund. Eine Anlage, die 60 Prozent erreicht, weil das Rüsten zu lange dauert, ist ein Auftrag.
Wo sich die OEE schönrechnen lässt
Hier liegt der wichtigste Punkt für jeden, der OEE-Werte vergleicht. Die Formel ist eindeutig, die Zeitbasis nicht.
Wer Rüstzeiten, Pausen oder geplante Wartung als „geplante Nichtproduktionszeit“ definiert, hebt die Verfügbarkeit, ohne dass eine Schraube besser läuft. Auch die Sollgeschwindigkeit ist eine Festlegung: Wird sie niedrig angesetzt, steigt der Leistungsfaktor automatisch.
Deshalb gilt: Eine OEE ist nur innerhalb eines Betriebs und nur bei unveränderter Definition vergleichbar. Zwischenbetriebliche Vergleiche und Anbieterangaben sind ohne die Zeitbasis wertlos.
Welcher OEE-Wert gut ist
In der TPM-Literatur gilt ein Wert um 85 Prozent als Richtwert für sehr gut geführte Anlagen. Das ist eine Faustregel aus der Fachliteratur, keine Norm, und sie stammt aus Umgebungen mit hoher Serienfertigung.
Für einen Betrieb mit vielen Rüstwechseln und kleinen Losen ist ein deutlich niedrigerer Wert normal und kein Mangel. Aussagekräftig ist nicht die Höhe, sondern die Entwicklung der eigenen Zahl über die Zeit.
Warum OEE-Projekte im Mittelstand scheitern
Weil gemessen wird, ohne dass eine Entscheidung daran hängt. Ein Wert, der monatlich berichtet und nie zu einer Maßnahme führt, ist Aufwand ohne Gegenwert.
Das zweite Muster ist die Handerfassung. Werden Stillstandsgründe auf Papier notiert und später eingetippt, entstehen Lücken genau dort, wo es hektisch war, also bei den größten Verlusten. Ohne automatische Erfassung an der Maschine bleibt die OEE eine Schätzung. Was dafür nötig ist, steht im Beitrag Industrie 4.0 umsetzen.
OEE in der Digitalisierungsstrategie: Stufen 1 bis 3 im DOpE-Modell
In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH ist die OEE die Kennzahl, an der der Aufstieg sichtbar wird. Erfassen gehört zur digitalen Grundlage, automatisches Zusammenführen zum vernetzten Betrieb, und das Vorhersagen von Verlusten zur datenbasierten Steuerung.
Genau deshalb ist die OEE eine gute erste Kennzahl: Sie zeigt, ob die Stufen darunter tragen. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?
OEE einführen: die ersten drei Schritte
1. Zeitbasis festlegen und aufschreiben. Was zählt als geplante Produktionszeit? Diese Festlegung entscheidet über alle künftigen Werte.
2. Sollgeschwindigkeit prüfen. Stammt sie vom Hersteller, aus dem Arbeitsplan oder aus der Erinnerung? Veraltete Vorgabezeiten verzerren den Leistungsfaktor dauerhaft.
3. Eine Anlage, drei Monate. Erst die Engstelle messen, dann ausrollen. Eine belastbare Zahl schlägt zwanzig geschätzte.
Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse: eine Bewertung, welche Kennzahlen tragen, wo die Erfassung fehlt und welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.
Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn eine einfachere Kennzahl für Ihre Fertigung mehr bringt.
Redaktion Dögel GmbH