No-Code und Low-Code lösen das Kleine schnell und werden gefährlich, sobald etwas Wichtiges daran hängt. Was die Begriffe bedeuten, steht im Glossar unter No-Code und Low-Code. Hier geht es um die Grenze dazwischen, also darum, welche Anwendungen tragen, welche kippen und wie Sie den Unterschied vorher erkennen.
Wo No-Code und Low-Code tragen
Formulare und Anträge. Urlaubsanträge, Reisekosten, interne Bestellungen. Klarer Ablauf, wenige Regeln, überschaubare Datenmenge.
Genehmigungsketten. Freigaben mit Erinnerung und Eskalation. Genau das, was sonst per E-Mail liegen bleibt.
Kleine Verbindungen zwischen Systemen. Ein Eintrag hier löst eine Aufgabe dort aus. Solange es um Ereignisse und nicht um Massendaten geht.
Auswertungen und Übersichten. Ein Dashboard, das drei Quellen zusammenzieht, ohne dass ein Projekt daraus wird.
Diese Anwendungen haben ein gemeinsames Merkmal. Der Nutzen entsteht in Tagen, und ein Ausfall kostet Bequemlichkeit, aber kein Geld. Daran lässt sich die Eignung vorab prüfen. Wenn die Antwort auf die Frage „Was passiert, wenn das morgen nicht läuft?“ mehr als ein Schulterzucken ist, gehört die Anwendung nicht in diese Kategorie.
Wo No-Code und Low-Code kippen
Vier Grenzen werden in der Praxis regelmäßig erreicht:
Datenmengen. Was mit tausend Zeilen funktioniert, wird bei einer Million langsam oder teuer, weil Lizenzmodelle häufig nach Vorgängen rechnen.
Prüfbarkeit. Ohne Versionierung und Testumgebung lässt sich nicht nachvollziehen, was sich wann geändert hat. Für Abläufe mit Nachweispflicht ist das ein Ausschlusskriterium.
Verflechtung. Eine Anwendung, an der drei andere hängen, ist ein Systembestandteil ohne Dokumentation.
Abhängigkeit von der Plattform. Die Ablauflogik liegt im Werkzeug und nicht in einem Format, das Sie mitnehmen können. Ein Plattformwechsel bedeutet Neubau.
Governance gegen Schatten-IT bei No-Code
Der Verlauf ist immer derselbe. Jemand aus der Fachabteilung baut etwas Nützliches. Es funktioniert, andere fangen an, sich darauf zu verlassen, dann verlässt die Person das Unternehmen und niemand weiß, wie die Anwendung funktioniert oder wo sie überhaupt läuft. Jede No-Code-Anwendung braucht deshalb einen Namen, einen Verantwortlichen und eine Beschreibung. Erst unter dieser Bedingung bleibt No-Code eine Erleichterung. Dasselbe Muster kennen wir aus der Automatisierung mit Tabellenmakros, beschrieben im Beitrag Prozesse automatisieren.
Drei Regeln genügen dafür:
Verzeichnis. Eine Liste aller Anwendungen mit Zweck, Verantwortlichem und Datenquellen. Eine Tabelle reicht.
Einstufung. Zwei Klassen genügen, nämlich unkritisch mit verkraftbarem Ausfall und kritisch als Teil eines Geschäftsprozesses. Kritische Anwendungen gehören in die Betreuung der IT.
Ablaufdatum. Jede Anwendung wird jährlich bestätigt oder abgeschaltet. Ohne diese Regel wächst der Bestand nur.
No-Code und die Stufen des DOpE-Modells
In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH gehören No-Code und Low-Code zur Stufe 2, dem vernetzten Betrieb, in dem Systeme verbunden sind und Abläufe ohne manuelle Übergaben laufen. Darunter liegt die digitale Grundlage. Die eigentliche Stärke dieser Werkzeuge liegt im Ausprobieren. Sie eignen sich hervorragend, um eine Idee in einer Woche zu prüfen, bevor über eine dauerhafte Lösung entschieden wird. Als Werkzeug zum Ausprobieren sind sie unterschätzt, als dauerhafte Systemgrundlage überschätzt. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?
Drei Schritte für den Einstieg in No-Code
1. Bestand aufnehmen. Fragen Sie in den Fachabteilungen, was dort schon gebaut wurde. Die Antwort überrascht in fast jedem Betrieb.
2. Einstufen. Welche dieser Anwendungen würde beim Ausfall Geld kosten? Die gehören dokumentiert und betreut.
3. Spielregeln festlegen. Wer darf bauen, was muss gemeldet werden, wann übernimmt die IT?
Das können Sie intern übernehmen. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse mit einer Bewertung, welche Abläufe tragen, wo Dokumentation fehlt und welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.
Fragen Sie uns. Und wenn Ihre selbstgebaute Lösung gut genug ist und keine Ablösung braucht, sagen wir Ihnen das ebenso.
Redaktion Dögel GmbH