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Grundlagen

Yield richtig messen: Warum First Pass Yield mehr aussagt als die Endausbeute

4 Min LesezeitRedaktion Dögel GmbHReihe: Das ABC der Digitalisierung

Nacharbeit macht die Zahl schön und die Fabrik teuer. Was Yield bedeutet, steht im Glossar unter Yield. Hier geht es um die Messung: welche drei Ausbeutekennzahlen es gibt, warum sie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und welche davon Ihnen etwas sagt.

Die drei Ausbeutekennzahlen im Überblick

  • Yield (Endausbeute). Anteil der Teile, die am Ende gut sind, unabhängig davon, wie oft nachgearbeitet wurde.

  • First Pass Yield (FPY). Anteil der Teile, die im ersten Durchlauf gut waren, ohne Nacharbeit. Das ist die aussagekräftige Zahl.

  • Rolled Throughput Yield (RTY). Die durchgerechnete Ausbeute über alle Prozessschritte hinweg.

Die drei können weit auseinanderliegen. Eine Linie mit 99 Prozent Endausbeute und starker Nacharbeit hat oft einen First Pass Yield von 80 Prozent oder weniger, und genau diese Lücke ist der Kostenblock.

Warum viele Schritte die Ausbeute auffressen

Der Rolled Throughput Yield ist das Produkt der Einzelausbeuten:

RTY = FPY₁ × FPY₂ × … × FPYₙ

Zehn Prozessschritte mit jeweils 99 Prozent ergeben nicht 99, sondern rund 90 Prozent. Bei 95 Prozent je Schritt sind es rund 60 Prozent.

Das erklärt einen Befund, der sonst rätselhaft bleibt: Jeder Schritt sieht für sich gut aus, und am Ende fehlt ein Drittel. Der Hebel liegt dann nicht darin, den besten Schritt zu verbessern, sondern den schwächsten zu finden.

Die versteckte Fabrik

Nacharbeit erscheint in der Endausbeute nicht, wohl aber in Personalstunden, Material, Fläche und Durchlaufzeit. In der Lean-Literatur heißt das die versteckte Fabrik: eine Produktion innerhalb der Produktion, die niemand geplant hat und die in keinem Ausbeutebericht auftaucht.

Sie sichtbar zu machen ist der eigentliche Zweck des First Pass Yield. Wer nur die Endausbeute berichtet, berichtet, dass am Ende alles gut war, und verschweigt, was es gekostet hat.

Der Zusammenhang zur Gesamtanlageneffektivität

Der Qualitätsfaktor der OEE arbeitet mit derselben Logik: Er rechnet Nacharbeit und Ausschuss heraus und schaut auf die Teile, die beim ersten Durchlauf gut waren.

Wer beide Kennzahlen führt, sollte sie deshalb konsistent definieren, sonst entstehen zwei Zahlen für dasselbe Phänomen. Wie die OEE berechnet wird und wo sie sich schönrechnen lässt, steht im Beitrag OEE berechnen.

Warum Ausbeutemessungen im Mittelstand nichts verändern

Weil die Ursache nicht mitgeführt wird. Eine Ausbeute von 92 Prozent ist eine Zahl, kein Auftrag. Erst die Zuordnung macht daraus eine Maßnahme: welcher Fehler, an welchem Schritt, an welcher Maschine und bei welchem Material.

Das zweite Muster ist die Nacharbeit, die nicht erfasst wird. Wird ein Teil an der Station schnell nachgedrückt und läuft weiter, ist der First Pass Yield rechnerisch bei 100 Prozent. Ohne Erfassung an der Station bleibt die Kennzahl eine Schätzung, dieselbe Grenze, die auch bei der Stillstandserfassung gilt, siehe Industrie 4.0 umsetzen.

Ausbeute in der Digitalisierungsstrategie: Stufen 1 bis 3 im DOpE-Modell

In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH ist die Ausbeute eine Kennzahl, die den Reifegrad offenlegt. Erfassen je Schritt gehört zur digitalen Grundlage, das automatische Zusammenführen zum vernetzten Betrieb, das Vorhersagen von Qualitätsproblemen zur datenbasierten Steuerung.

Wer keine schrittweise Erfassung hat, kann keinen Rolled Throughput Yield rechnen und damit nicht sagen, wo die Ausbeute verloren geht. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?

Yield messen: die ersten drei Schritte

1. Nacharbeit erfassen. Getrennt von Ausschuss, an der Station, mit Grund. Das ist der Schritt, der die versteckte Fabrik sichtbar macht.

2. First Pass Yield je Schritt bilden. Nicht nur für die Linie insgesamt. Erst je Schritt zeigt sich, wo es klemmt.

3. Den schwächsten Schritt angehen. Nicht den mit dem größten Volumen, sondern den mit der niedrigsten Einzelausbeute.

Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse: eine Bewertung, welche Kennzahlen tragen, wo die Erfassung fehlt und welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.

Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn eine einzige gut erfasste Kennzahl für Ihre Fertigung mehr bringt als drei geschätzte.

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