Just-in-Time ersetzt Bestand durch Information. Fehlt die Information, kommt der Bestand zurück. Was Just-in-Time bedeutet, steht im Glossar unter Just-in-Time. Hier geht es um die Abwägung, also darum, was das Prinzip voraussetzt, wo es unter Druck geraten ist und wie viel Sicherheitsbestand tatsächlich nötig ist.
Die Abgrenzung von Just-in-Time und Just-in-Sequence
Just-in-Time bedeutet, dass Material zum benötigten Zeitpunkt in der benötigten Menge eintrifft und nicht früher. Das Lager wandert in die Lieferkette. Just-in-Sequence geht einen Schritt weiter, denn dort kommt das Material zusätzlich in der Reihenfolge, in der es verbaut wird. Das ist der Standard in der Automobilmontage und verlangt eine deutlich engere Datenkopplung. Beide Verfahren stammen aus dem Toyota-Produktionssystem und sind Teil des Lean-Gedankens, in dem Bestand als Verschwendung gilt, weil er Kapital bindet und Probleme verdeckt.
Was Just-in-Time voraussetzt
Vier Bedingungen, und alle vier müssen erfüllt sein:
Verlässliche Bedarfsdaten. Der Abruf muss aus einem echten Plan kommen und darf nicht auf einer Schätzung beruhen.
Liefertreue des Lieferanten. Messbar, nicht behauptet. Ohne eine Kennzahl zur Termintreue ist Just-in-Time ein Vertrauensvorschuss.
Kurze und stabile Wege. Je länger die Transportstrecke, desto größer die Streuung der Ankunftszeit.
Bestandstransparenz in nahezu Echtzeit. Wer nicht weiß, was heute im Regal liegt, kann nicht knapp planen.
Die vierte Bedingung ist die, an der es im Mittelstand am häufigsten hakt, und sie ist eine Digitalisierungsfrage und keine Logistikfrage.
Sicherheitsbestand berechnen, wenn Just-in-Time unter Druck gerät
Knappe Bestände verstärken Störungen, statt sie zu dämpfen. Fällt ein Lieferant aus, steht die Linie ohne Puffer sofort. Dazu kommt der Peitschenschlageffekt, bei dem kleine Nachfrageschwankungen am Ende der Kette nach hinten immer größer werden, weil jede Stufe zur Sicherheit etwas aufschlägt. Die Lieferkettenstörungen der vergangenen Jahre haben viele Betriebe deshalb zu einer Mischform gebracht, also zu Just-in-Time für unkritische Standardteile und bewusstem Sicherheitsbestand für Teile mit langer Wiederbeschaffungszeit oder nur einer Bezugsquelle.
Das ist eine Differenzierung nach Risiko und kein Rückschritt. Der Denkfehler wäre, aus einer Störung ein neues Prinzip zu machen. Bestand über die ganze Artikelbreite aufzubauen kostet dauerhaft Kapital und Fläche, ohne dass die kritischen Teile dadurch sicherer verfügbar wären. Statt pauschal aufzustocken, hilft eine einfache Rechnung je Artikel.
Sicherheitsbestand ≈ durchschnittlicher Verbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Puffer für Schwankung
Der Puffer richtet sich nach zwei Fragen. Wie stark schwankt der Verbrauch, und wie unzuverlässig ist der Liefertermin? Ein Artikel mit stabilem Verbrauch und pünktlichem Lieferanten braucht fast keinen Puffer, ein Einzelbezug aus Übersee mit schwankendem Bedarf braucht viel. Wichtig ist die Einzelbetrachtung je Artikel. Zehn Prozent auf alles ist die teuerste Form von Vorsicht.
Just-in-Time und die Stufen 2 und 3 des DOpE-Modells
In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH setzt Just-in-Time die Stufe 2 voraus, den vernetzten Betrieb, in dem Bestände und Abrufe ohne manuelle Übergaben zusammenlaufen. Wirklich beherrschbar wird es erst auf Stufe 3, der datenbasierten Steuerung. Wer Just-in-Time auf Tabellen fährt, die einmal pro Woche gepflegt werden, hat ein Datenproblem und kein Logistikproblem. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?
Womit die Prüfung von Just-in-Time beginnt
1. Teile nach Risiko sortieren. Wiederbeschaffungszeit, Anzahl der Bezugsquellen, Folgen eines Ausfalls. Drei Spalten genügen für den Anfang.
2. Liefertreue messen. Über drei Monate, je Lieferant, in Prozent. Ohne diese Zahl ist jede Bestandsentscheidung geraten.
3. Bestandstransparenz prüfen. Wie alt ist die Bestandszahl, auf die Sie heute schauen? Wenn die Antwort „von gestern Abend“ lautet, ist das der erste Ansatzpunkt.
Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Soll es systematisch laufen, gibt es das als DOpE-Analyse mit einer Bewertung, wo Daten fehlen, welche Maßnahme nach Wirtschaftlichkeit zuerst kommt und wie der Fortschritt messbar bleibt. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.
Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn mehr Bestand bei Ihnen die günstigere Antwort ist als mehr Technik.
Redaktion Dögel GmbH