Ein Cobot einzusetzen lohnt sich dort, wo Mensch und Maschine dieselbe Fläche brauchen, und nur dann. Was ein Cobot ist, steht im Glossar unter Cobot. Hier geht es um die Entscheidung davor: welche Arbeitsplätze passen, welche Norm gilt und warum viele Cobot-Projekte am Ende doch einen Zaun bekommen.
Cobot, Industrieroboter oder Humanoid: die Abgrenzung
Industrieroboter sind schnell, präzise und stark, und sie arbeiten hinter einer trennenden Schutzeinrichtung. Sie sind erste Wahl bei hoher Stückzahl und gleichbleibendem Teil.
Cobots sind für den Betrieb ohne Zaun konstruiert: geringere Geschwindigkeit, begrenzte Kräfte, Sensorik zur Kollisionserkennung. Ihr Vorteil ist die gemeinsame Fläche, nicht die Leistung.
Humanoide Roboter übernehmen ortsveränderliche Aufgaben und bewegen sich selbst durch die Umgebung. Sie konkurrieren nicht mit dem Cobot, sondern mit dem Weg zwischen zwei Arbeitsplätzen.
Die vier Kollaborationsarten nach ISO 10218
Die Norm kennt vier Betriebsarten für die Zusammenarbeit. Welche zutrifft, entscheidet über den gesamten Sicherheitsaufbau:
Sicherheitsbewerteter überwachter Stillstand. Der Roboter hält an, solange sich ein Mensch im Arbeitsraum befindet.
Handführung. Der Mensch führt den Roboter aktiv, etwa beim Einlernen oder Positionieren schwerer Teile.
Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung. Der Roboter drosselt, je näher der Mensch kommt, und stoppt beim Unterschreiten eines Mindestabstands.
Leistungs- und Kraftbegrenzung. Der Roboter darf berühren, weil Kraft und Druck unterhalb festgelegter biomechanischer Grenzwerte bleiben.
Nur die letzte Betriebsart ist das, was landläufig unter „Cobot“ verstanden wird. Die anderen drei brauchen Sensorik, Scanner oder Ablauflogik, und damit Investitionen, die in keinem Cobot-Angebot stehen.
Wichtig für die Planung: ISO 10218-1 und -2 wurden 2025 überarbeitet und haben die Inhalte der früheren ISO/TS 15066 zur Kollaboration in die Normenreihe integriert. Teil 1 unterscheidet nun zwei Roboterklassen mit unterschiedlichen Anforderungen, Teil 2 ordnet einzelnen Sicherheitsfunktionen jeweils einen Standard-Performance-Level zu. Wer abweicht, dokumentiert deutlich mehr.
Warum ein Cobot nicht automatisch sicher ist
Das ist der häufigste Irrtum im Beschaffungsgespräch. Ein Cobot ist eine unvollständige Maschine. Sicher oder unsicher wird erst die Anwendung, und zwar mit Werkzeug, Werkstück, Umgebung und Taktzeit.
Sicher ist nicht der Roboter, sondern die Anwendung.
Daraus folgt: Für jeden Arbeitsplatz braucht es eine Risikobeurteilung, und die Einhaltung der Kraft- und Druckgrenzwerte wird gemessen, nicht angenommen. Ein scharfkantiges Werkstück oder ein spitzer Greifer kann eine an sich zulässige Bewegung unzulässig machen.
Warum Cobot-Projekte im Mittelstand am Zaun enden
Der typische Verlauf: Ein Cobot wird wegen seiner Flexibilität gekauft. Dann ergibt die Risikobeurteilung, dass Taktzeit und Werkzeug einen Schutzzaun oder einen Laserscanner verlangen. Übrig bleibt ein langsamer Roboter hinter einem Zaun, also das Schlechteste aus beiden Welten.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Risikobeurteilung vor Bestellung, nicht danach. Wer sie vorzieht, entscheidet sich in der Hälfte der Fälle bewusst für einen klassischen Industrieroboter und ist damit schneller und günstiger unterwegs.
Cobots in der Digitalisierungsstrategie: Stufe 2 im DOpE-Modell
In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH gehört ein Cobot zur Stufe 2, dem vernetzten Betrieb. Darunter liegt die digitale Grundlage, darüber die datenbasierte Steuerung.
Die Reihenfolge ist keine Rangfolge nach Wichtigkeit, sondern eine nach Tragfähigkeit. Ein Cobot an einem Arbeitsplatz, dessen Ablauf nirgends dokumentiert ist, automatisiert eine Vermutung. Mehr dazu im Beitrag Was ist Digital Operational Excellence?
Cobot einführen: die ersten drei Schritte
1. Arbeitsplatz beschreiben. Welche Bewegung, welches Werkzeug, welches Werkstück, welche Taktzeit? Ohne diese vier Angaben ist keine Aussage möglich.
2. Kollaborationsart festlegen. Braucht der Arbeitsplatz wirklich die gemeinsame Fläche, oder genügt ein überwachter Stillstand?
3. Risikobeurteilung terminieren. Vor dem Angebotsvergleich, nicht danach.
Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Wer es strukturiert will, bekommt es als ROBY READY DOpE-Analyse: eine Bewertung, welche Prozesse robotikfähig sind, welche organisatorischen Voraussetzungen fehlen und wann eine Skalierung realistisch ist.
Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn ein klassischer Industrieroboter für Ihren Fall die bessere Wahl ist.
Redaktion Dögel GmbH