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Grundlagen

MES einführen: Wann sich ein Manufacturing Execution System rechnet

3 Min LesezeitRedaktion Dögel GmbHReihe: Das ABC der Digitalisierung

Die meisten Betriebe, die ein MES anfragen, brauchen zuerst eine belastbare Betriebsdatenerfassung. Was ein MES ist, steht im Glossar unter MES. Hier geht es um die Entscheidung davor: welche Lücke ein MES tatsächlich schließt und wann die kleinere Lösung genügt.

Wo ein MES sitzt: die Ebenen zwischen ERP und Maschine

Das Referenzmodell ISA-95 ordnet die Systeme in Ebenen. Drei davon sind für die Entscheidung wichtig:

  • Ebene 4, ERP. Aufträge, Stücklisten, Termine, Kaufmännisches. Plant, was produziert werden soll.

  • Ebene 3, MES. Feinplanung, Rückmeldung, Rückverfolgbarkeit. Steuert, wie produziert wird.

  • Ebene 2, SCADA und Steuerungen. Signale, Alarme, Messwerte in Echtzeit.

Ein MES schließt die Lücke zwischen dem Auftrag im ERP und dem Signal aus der Maschine. Wer diese Lücke nicht hat, weil zwischen beidem heute ohnehin nur zwei Anlagen liegen, braucht kein System für sie.

MES-Funktionen nach VDI 5600

Die Richtlinie VDI 5600 beschreibt die Aufgaben eines MES. Für den Mittelstand sind vor allem diese relevant:

  • Feinplanung und Feinsteuerung: Reihenfolgen über Linien und Schichten festlegen.

  • Datenerfassung und -verarbeitung: Betriebs- und Maschinendaten aufnehmen.

  • Leistungsanalyse: Kennzahlen berechnen, insbesondere die Gesamtanlageneffektivität.

  • Qualitätsmanagement: Prüfungen und Abweichungen dokumentieren.

  • Materialmanagement: Materialfluss und Bestände in der Produktion führen.

  • Informationsmanagement: die richtige Information an den richtigen Arbeitsplatz.

Die Liste ist der Grund, warum MES-Projekte groß werden: Sie deckt sechs Themen ab, von denen ein Betrieb meist zwei dringend braucht. Anbieter verkaufen aber die vollständige Abdeckung, weil sie sie können, und der Zuschnitt auf das Nötige muss vom Kunden kommen. Wer nicht vorher weiß, welche zwei Themen für ihn zählen, bekommt alle sechs bezahlt.

Der häufigste Fehlgriff: MES statt BDE

Der typische Auslöser für ein MES-Projekt lautet: „Wir wissen nicht, warum die Anlage steht.“ Das ist eine Frage der Datenerfassung, nicht der Feinplanung.

Eine Betriebs- und Maschinendatenerfassung an den zwei oder drei Anlagen, die den Durchsatz bestimmen, kostet einen Bruchteil und beantwortet genau diese Frage. Wer danach noch Feinplanung, Rückverfolgbarkeit und Werkerführung braucht, hat für die MES-Auswahl dann echte Anforderungen statt Vermutungen.

Erst messen, dann steuern. Ein MES steuert, es misst nur mit.

Warum MES-Projekte im Mittelstand scheitern

Am Umfang. Ein Projekt, das alle sechs Funktionen gleichzeitig einführt, bindet die Produktion über Monate und liefert das erste sichtbare Ergebnis am Ende.

Das zweite Muster ist der Bestand: Maschinen ohne Schnittstelle liefern keine Rückmeldung. Nachrüsten mit externer Sensorik ist möglich, muss aber im Projekt stehen, sonst wird die Rückmeldung von Hand eingetippt, und damit ist der Nutzen weg.

Das dritte Muster ist die Stammdatenlage. Ein MES rechnet mit Arbeitsplänen und Vorgabezeiten. Sind die Vorgabezeiten zehn Jahre alt, produziert das System gepflegte Abweichungen von falschen Sollwerten.

MES in der Digitalisierungsstrategie: Stufe 2 im DOpE-Modell

In der Digitalisierungspyramide der Dögel GmbH gehört ein MES zur Stufe 2, dem vernetzten Betrieb. Darunter liegt die digitale Grundlage mit Arbeitsplänen, Stücklisten und Vorgabezeiten.

Wer diese Grundlage nicht hat, kauft mit einem MES keine Klarheit, sondern eine teurere Darstellung derselben Unklarheit. Wie Sie Ihren Stand feststellen, steht im Beitrag Digitalen Reifegrad messen.

MES einführen: die ersten drei Schritte

1. Frage benennen. Welche Frage soll das System beantworten, die heute unbeantwortet bleibt? Eine, nicht sechs.

2. Stammdaten prüfen. Sind Arbeitspläne und Vorgabezeiten aktuell? Wenn nein, beginnt das Projekt dort.

3. Klein anfangen. Eine Linie, eine Funktion, eine Kennzahl. Ausrollen erst, wenn die Zahl trägt.

Diese drei Schritte lassen sich selbst gehen. Wer es strukturiert will, bekommt es als DOpE-Analyse: eine Problem-Landkarte und ein nach Wirtschaftlichkeit priorisierter Fahrplan. Was das Verfahren umfasst, steht auf unserer Seite zu Digital Operational Excellence.

Sprechen Sie uns an. Wir sagen Ihnen auch, wenn eine Datenerfassung Ihr Problem löst und kein MES nötig ist.

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